Theorie für die Lehrgangsteilnehmer und alle, die mehr über Pferde erfahren möchten

Pferde sind...

  1.  Steppentiere
  2. Herdentiere
  3. Fluchttiere

1.Welche Bedeutung hat dieses Verhalten für uns Menschen und welchen Bedürfnissen muss ich diesbezüglich Rechnung tragen?

 

 Steppentiere haben das Bedürfnis sich sehr viel zu bewegen und den Großteil des Tages mit Fressen zu verbringen. Bis zu 18 Stunden am Tag. Pferde haben einen sehr kleinen Magen, weil sie dauernd kleine Mengen von dem kargen Angebot aus der Steppe fressen. Deshalb sollten Ponys viel Rauhfutter mit wenig Energie zu sich nehmen. 

 

Herdentiere dürfen nicht allein gehalten werden, ihr hohes Bedürfnis an Sicherheit und in der Herde befriedigt werden kann. Außerdem brauchen die Tiere Sozialkontakte zwecks Fellpflege und natürlich Spielen. 

 

Fluchttiere müssen, um in der Steppe zu überleben, blitzschnell und ohne zu überlegen reagieren. Das kann für uns Reiter gefährlich werden, weil wir die  "Gefahr" gar nicht erkennen. Jedes Rascheln oder Knacken kann ein Raubtier vermuten lassen. Deshalb sind Pferde bei Sturm auch gerne "durch den Wind"; Raubtiere könnten sich unbemerkt anschleichen. Auch der Geruch von Aas ist für das Pferd ein Alarmsignal.

 

2. Es ist wichtig, sein Pferd täglich zu beobachten und zu kontrollieren, ob es gesund ist.

Woran erkenne ich ein krankes Pferd?

 

 Jede Verhaltensveränderung eines Pferdes kann auf eine Krankheit hindeuten und sollte genau beobachtet werden. Einige Symptome sind sofort zu erkennen.

Dazu zählen z.B.:

- Husten und Nasenausfluss                                 - tränende Augen

- Verletzungen                                                          -Über- oder Untergewicht

- Krusten und Veränderungen der Haut          - Rötungen der Haut         

- stumpfes Fell                                                          - Lahmen

- übermäßiges Scharren, Wälzen                      -  schwitzen

- Unruhe                                                                    - das Verweigern von Futter

- Atemnot

 

Es gibt aber noch viele weitere Symptome. Allerdings erfordern diese schon etwas mehr Aufmerksamkeit.

- häufiges Gähnen, Flehmen                                  - heftiges Schweifschlagen

- umschauen zum Pferdebauch                             - Schwellungen der Beine

- steifer, unregelmäßiger Gang                             - Teilnahmslosigkeit

- Schwellungen der Haut                                        - Scheuern

- ungewohnte Widersetzlichkeit                          - nicht satteln lassen

- die PAT- Werte sind nicht in Ordnung            - Mundgeruch

- wache Augen                                                           - interessiertes Ohrenspiel

- Zahnfleisch zu hell oder bei Druck mit dem Finger dauert es zu lang, bis die helle Stelle wieder rosig wird

 

3. Was sind die PAT- Werte, welche Werte sind normal und wie finde ich sie heraus?

PAT steht für: P = Puls 28-40/Min. (Fohlen ca. 80) max. 220/Min.

                           A = Atmung 8-16/Min. (Fohlen 24/30) max. 80-100/Min.

                           T = Temperatur 37,5-38,2°C (Fohlen 37,5- 38,5°C) max. 41°C

 

Wichtig für dich sind die Ruhewerte eines erwachsenen Pferdes (Fett gedruckt). Der Maximalwert ist der, der enstehen kann, wenn Pferde größte Anstrengungen leisten müssen. Den Puls kannst du an der Innenseite des Unterkiefers fühlen. Denke auch beim Pferd daran, Zeige- und Mittelfinger zu nutzen und nicht den Daumen. Dieser hat einen eigenen Puls. 

Die Atmung ist leichter festzustellen. Achte auf den Nüsternrand oder die Flankenbewegung des Pferdes.

Die Temperatur lässt sich im Anus eines Pferdes kontrollieren. Die Atmung sowie den Puls darfst und solltest du gerne einfach mal messen. Temperaturmessungen sollten nur von fachkundigen Pferdeleuten durchgeführt werden. Nicht jedes Pferd lässt es sich gefallen, wenn es ein Thermometer in den Po geschoben bekommt. Dabei sollte man sehr vorsichtig vorgehen und das Thermometer mit Vaseline einschmieren, damit es leichter hineingleitet. Stehe seitwärts neben dem Pferd und beobachte dieses genau. Halte das Thermometer gut fest, denn es kann tatsächlich vom Pferd in den After gezogen werden. Deshalb ist es sinnvoll, es mit einem Band, das mit einer Wäscheklammer am Schweif befestigt wird, zu sichern. 

 

Einmal im Jahr kontrolliert unser Pferdedentalpraktiker (Pferdezahnarzt) alle Ponys und Pferde (Bilder dazu z.B. 23.11 auf "Aktuelles"). Hat sich ein Zahn gelockert? Ist das Zahnfleisch in Ordnung? (Chacal, Benny und Crash mussten eine homöopathische Kur für die Unterstützung des Zahnfleisches machen). Müssen vielleicht Wolfszähne gezogen werden?Haben sich scharfe Kanten an den Zähnen gebildet? Das passiert sehr schnell, weil die Pferdezähne bis ins höhere Alter ständig nachwachsen, um den enormen Abrieb (wir  erinnern uns - das wilde Pferd frisst bis zu ...- s. o. Stunden am Tag) entgegenzuwirken. All das protokolliert der Dentalpraktiker und schaut sich auch den Allgemeinzustand des Ponys an.

Schau dir bei deinem nächsten Besuch unseren Pferdeschädel genau an. 

 

4. Wo ist der große Unterschied zu uns Menschen? Warum und wo entstehen scharfe Kanten? Was sind Wolfszähne?

Der Oberkiefer ist deutlich breiter als der Unterkiefer. Legt eure Hände einmal mit den Handinnenflächen auf einander und schiebt die untere Hand zusammen (schmaler machen) und jetzt führt ihr kreisende (mahlende) Bewegungen aus. Wo berühren sich eure Hände? Das sind die Flächen, an denen kaum scharfe Kanten entstehen können. Aber Oberkiefer außen und Unterkiefer innen bleiben unberührt. Hier entstehen die scharfen Kanten, die der Dentalpraktiker regelmäßig entfernen muss. Je gesünder das Gebiss des Pferdes gehalten wird und desto mehr das Pferd die Möglichkeit hat artgerecht zu fressen, desto weniger hat der Zahnarzt zu tun. Darf das Pferd viel auf das kurze Gras muss es viele Kauschläge machen und raspelt damit seine ständig nachwachsenden Zähne ab. Durch das bodennahe fressen schieben sich die Kiefer besser übereinander und das Pferd kaut sein Futter korrekt. Rennpferde, die sehr viel Kraftfutter bekommen und wenig Rauhfutter (damit sie kein Bauchvolumen haben) haben kaum die Chance ihre Zähne abzuraspeln.

Wolfszähne sind sehr kleine Zähne, die ein gebisslos gerittenes Pferd nicht beeinträchtigen. Sie haben ihren Platz direkt vor den Backenzähnen. Auf den zahnfreien Laden liegt bei der Trense aber das Gebissstück, welches dann gegen die Wolfszähne kommt und dem Pferd unbehagen bis Schmerzen bereitet. Also müssen sie auf jeden Fall bei einem Reitpferd entfernt werden. Jedoch haben nicht alle Pferde diese Zähne. In unserem Schaukasten liegen einige aus.

 

Pferde werden sehr unterschiedlich gehalten. Wo liegen die Vor- und Nachteile reiner Boxenhaltung? 

 

Vorteile:

- genaue Futterkontrolle

- keine Rangelein und Verletzungen

- für sehr rangniedrige Pferde kann es von Vorteil sein

- leider oft als einzige Möglichkeit gesehen, Hengste (oder Sportpferde) zu halten

- einfache Handhabung

- leichtere Genesung bei Erkrankungen

 

Nachteile:

- kaum Sozialkontakte

- einfach nicht artgemäß

- wenig Abwechslung

- wenig Bewegung, dadurch...

  1. können Erkrankungen des Bewegungsapparats enstehen (Steppentier)
  2. baut das Pferd wenig Muskelmasse auf
  3. kann keine Knochenhärte entwickelt werden
  4. kann Stallmut (bockende, ungestüme oder schlecht gelaunte Pferde) entstehen
  5. können sie wenig Sozialkompetenz entwickeln

 

Wie kann man die Boxenhaltung verbessern? Was ist in einer Box und wie groß sollte sie sein?

Die Box, in der ein Pony steht, sollte mindestens der Größe entsprechen, die du erhältst, wenn du (2x Widerristhöhe)² rechnest. Wenn die Box vergittert ist, sollten die Gitter längs verlaufen und maximal 5cm auseinander sein, damit das Pony nicht mit seinem Huf darin steckenbleiben kann. Der Kopf des Ponys sollte bei einem Fenster gefahrlos hindurchpassen.

 

Die Tür der Box sollte für Großpferde 2,5m hoch sein, mindestens aber 2m.

 

In der Box sollten natürlich eine Tränke und ein Trog vorhanden sein, die am besten diagonal aufgestellt sind, damit das Futter nicht unabsichtlich eingeweicht werden kann.
Der Boden muss rutschfest und möglichst eben sein, außerdem sollte im Winter durch die Einstreu etwas gegen die Kälte isoliert werden, zudem sollte die Zufuhr frischer Luft immer gewährleistet sein.

 

Um die Boxenhaltung zu verbessern solltest du selbstverständlich auf genug Auslauf für dein Pony, auch ohne Sattel und Reiter achten. Außerdem ist es für das Pony umso schöner, je heller die Box ist. Hoch vergitterte Boxen mögen Ponys ungern, da sie sich dann schlecht mit ihrem Nachbarn beschnuppern können. Die Box sollte natürlich regelmäßig gemistet werden, um Hufkrankheiten vorzubeugen. Außerdem ist es wichtig, auf genügend Raufutter zu achten, damit sich das Pony durch Fressen beschäftigen kann. Einige Ponys mögen auch Spielzeug, wie zum Beispiel einen Ball aus Gummi oder ein Heunetz, in dem Möhren versteckt sind. So wird es nicht langweilig.

 

 

Exterieur

Das Exterieur (=Körperbau) eines Pferdes ist wichtig für seine Bewegung und sein Gesamtbild. Es wird eingeteilt in:

1. Vorhand: Kopf, Hals, Brust, Vorderbeine

2. Mittelhand: Rumpf (Widerrist, Rücken, Nierenpartie)

3. Hinterhand: Kruppe, Hinterbeine, Schweif

Das Pferd trägt 55% seines Gewichts auf der Vorhand und 45% auf der Hinterhand.

Natürlich musst du nicht alle Punkte auf dem Bild kennen, aber versuche doch mal folgende Begriffe den Zahlen auf dem Bild zuzuordnen:

Jochbein (53) |Nüstern (52) |Kinngrube (47) |Ganasche (45) |Brust(40) |Ellenbogen (25)|Unterarm (38) |Vorderfußwurzelgelenk (37) |Vordermittelfuß/Röhre (36) |Fesselkopf (35) |Ballen (29) |Huf (31)  |Sporn (28) |Bauch (22) |Knie (19) |Unterschenkel (14) |Sprunggelenk (16) |Kastanie (18) |Fersenhöcker (15) |Hintermittelfuß (17) |Schweifansatz (10) |Kruppe (9)|Lende (7)|Widerrist (5) |Hals(44)

 

 

Giftpflanzen

Es gibt Pflanzen, die Pferde auf keinen Fall fressen dürfen. Diese sogenannten Giftpflanzen können bis zum Tod führen. Daher müssen wir darauf achten, dass auf Koppeln, wo Pferde grasen, oder aus deren Gras Heu hergetellt wird, solche Pflanzen nicht wachsen. Unten seht ihr Bilder von den häufigsten Giftpflanzen. Versucht doch mal folgende Namen zuzuordnen, vielleicht kennt ihr ja schon ein paar?

Maiglöckchen (Bild 4) | Goldregen (Bild 2) | Buchsbaum (Bild 6) | Roter Fingerhut (Bild 1) | Tollkirsche (Bild 5) | Jakobskreuzkraut (Bild 7)

Futter

Futter für Pferde wird in drei verschiedene Rubriken unterteilt: (Vielleicht könnt ihr die Dinge, die ihr schon mal verfüttert habt, zuordnen?)

1. Saftfutter:

 

2. Rau-/Grobfutter:

 

3. Einzelfuttermittel: